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Dialog mit Angehörigen psychisch Kranker
Je nach dem Ausmaß und Fortschritt einer psychischen Erkrankung stellt sie für die Betroffenen eine entscheidende Einschränkung für den Alltag und den sozialen Umgang mit anderen Menschen dar. Viele Menschen mit psychischen Erkrankungen, die auf eine Therapie und Medikation generell oder zeitweilig gut ansprechen, könnten noch besser mit ihrer Krankheit zurecht kommen, wenn sie sich nicht gesellschaftlich ausgegrenzt fühlen würden.
Gerade für psychisch kranke Menschen ist zumeist das Gespräch, das Durchbrechen des Rückzugs von jedem sozialen Kontakt, ein wichtiges Moment, um Symptome der Erkrankung zu bessern und die Lebensqualität zu erhöhen, wie auch mit den belastenden Moment der Erkrankung umgehen zu können. Für das Gespräch stehen selbstverständlich die Psychiater, Neurologen, Psychologen, weiteren Therapeuten zur Verfügung. Darüber hinaus ist jedoch für Menschen mit psychischen Erkrankungen auch wichtig, sich in der Familie im engen sozialen Umfeld mitteilen zu können, ohne falsch eingeschätzt, verurteilt, nicht ernst genommen oder für verrückt gehalten zu werden.
Die wichtige Einbeziehung der psychisch Kranken in die Therapie
Ärzte und Psychologen, die mit psychisch kranken Menschen therapeutisch umgehen, wissen, wie wichtig es ist, die Angehörigen in den Prozess der Behandlung mit einzubeziehen. Bei Kindern und Jugendlichen ist es selbstverständlich, dass die Eltern und andere mit der Erziehung betraute Personen, einbezogen werden. Doch auch für erwachsene psychisch kranke Menschen ist es sehr entscheidend, wie offen im Kreis der Familie und des engen Umfeld mit ihrer Krankheit umgegangen wird.
Der erste Schritt im Dialog mit Angehörigen von psychisch Kranken sollte unbedingt der ausführlichen und umfangreichen Aufklärung über die jeweiligen Erkrankungen gewidmet sein. Nur, wer ein solches Leiden verstehen kann, genug darüber weiß, kann auch das nötige Verständnis für den erkrankten Angehörigen aufbringen. Daher sollten sich Angehörige von psychisch Kranken, besonders Angehörige, die mit ihnen zusammenleben, Ehe- und Lebenspartner unbedingt Rat und Information bei Ärzten und fachlich geschulten Beratern holen.
Wer in der Familie psychisch kranke Menschen hat, mit einer Partnerin oder einem Partner mit psychischen Krankheiten zusammenlebt, weiß, dass dies für Angehörige so belastend ist wie für den Patienten selbst. Dabei stellen besonders die schweren psychischen Störungen eine besonders hohe Belastung für das familiäre und soziale Umfeld des Kranken dar. Der Umgang mit Menschen, die an Demenzen erkrankt sind, Menschen, die an bipolaren Erkrankungen, schweren Depressionen oder schizophrenen Schüben leiden, ist oft verwirrend und beängstigend für die nächsten Angehörigen. Bei vielen Erkrankungen kommt noch die ständige Angst durch eine Suizidgefährdung dazu, die Angst, dass die Menschen sich verletzen könnten. Auch das Zusammenleben mit Essgestörten und Borderlinern stellt an die Angehörigen hohe Anforderungen, denen sie oft nicht gewachsen sind.
Verantwortung teilen lernen
Angehörige von psychisch Kranken, besonders noch die körperliche Pflege inbegriffen ist, erlegen sich oft selbst eine zu hohe Last auf, fühlen sich für alles verantwortlich. Es ist wichtig, im Dialog mit Ärzten, Psychologen und Beratern auch nach Hilfsangeboten von außen zu suchen. Ist körperliche Pflege dazu gehörig, wird über die Pflegeversicherung eine häusliche oder stationäre Betreuung oder eine häusliche Teilbetreuung möglich. Auch, wenn keine körperliche Pflege erforderlich ist, gibt es Hilfsangebote in Zusammenhang mit der Therapie des psychisch Kranken und der Entlastung der Angehörigen.
Der Aufenthalt in einer Tagesklinik kann über den Tag hinweg die Angehörigen von der ständigen Verantwortlichkeit und der Funktion des Aufpassers entlasten. So, wie es für psychisch kranke Menschen, die nicht unter einer Demenz oder sehr schweren Bewusstseinsstörung leiden, Selbsthilfegruppen gibt, in denen sie sich mit anderen Betroffenen offen und im gegenseitigen Verständnis austauschen können, gibt es solche Gruppen auch für die Angehörigen. Hier kann der Austausch mit anderen Angehörigen von dem Bewusstsein entlasten, mit den Problemen ganz allein dazustehen.
Es darf nicht unterschätzt werden, dass sich bei Angehörigen von psychisch Erkrankten, analog der Koerkrankung von Süchtigen, zu einer Koerkrankung kommen kann. Auch Angehörige können durch eine zu starke und alleinige Belastung depressiv werden und selbst einer Behandlung bedürfen. Bevor es dazu kommt, kann es auch hilfreich sein, eine psychologische Beratung und psychologische Hilfsangebote für sich selbst in Anspruch zu nehmen.
Artikel wurde zuletzt geaendert am: 28.01.2012; 23:10:25 Uhr