Newsletter abonnieren.
Posttraumatische Belastungsstörung
Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann als Folge von Traumata durch extreme Erlebnisse auftreten. Von einer Posttraumatischen Störung kann erst gesprochen werden, wenn das Ereignis in der Vergangenheit liegt, also sich der Betroffene zum Zeitpunkt der Diagnose nicht mehr in der akut traumatischen Situation befindet. Als die bekanntesten Auslöser von einer PTBS sind Katastrophen aller Art (Natur- und technische Katastrophen), Unfälle, Opfersituationen von Verbrechen und Gewalttaten, sexuelle Vergehen an einer Person während der Kindheit, aber auch späteren Lebensphasen, bekannt.
Welche Form einer Situation als extrem belastend empfunden wird, und inwieweit es in späteren Zeiten zu einer PTBS kommt, ist individuell unterschiedlich. Menschen, die bereits an psychischen Erkrankungen leiden, Menschen mit sehr hoher Sensibilität, Menschen, Menschen, die bereits mehrmals traumatisierende Ereignisse durchlebt haben, sind möglicherweise stärker gefährdet. Jedoch ist auch dies von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Es ist nicht abzusehen, ob ein traumatisches Ereignis eine Posttraumatische Störung auslösen wird.
Daher wird heute vielfach bereits im Vorfeld einer solchen Störung angesetzt. Erfolgt nach einem schwer belastenden, bedrohlichen Ereignis, umgehend eine psychologische Beratung, die Aufarbeitung des Geschehens, können Spätfolgen teilweise abgewendet werden. Dies spielt insbesondere bei der psychologischen Beratung und Behandlung von Opfern von Gewalttaten und Übergriffen eine Rolle.
Symptome und Diagnose
Während des Durchlebens einer traumatischen Situation und kurz danach ist es völlig normal, dass ein Mensch seelisch aus dem Gleichgewicht gerät. Manche Menschen können mit solche Situationen besser als andere umgehen. Besonders schwierig sind Traumata in der Kindheit, da oft die verbale Fähigkeit, darüber zu sprechen fehlt und vielfach auch vertraute Ansprechpartner nicht verfügbar sind oder nicht als solche wahrgenommen werden. (Wenn ich das meinen Eltern erzähle, haben sie mich nicht mehr lieb, werden mir nicht glauben, werden mich bestrafen) Bei Extremsituationen, die nicht durch Katastrophen, sondern durch Handlungen zwischen Menschen entstehen, wie Verbrechen, kommen oft noch fehlgeleitete Schuldgefühle hinzu.
Die Betroffenen öffnen sich keinem Gespräch, da sie sich selbst als mitschuldig fühlen. (Besonders Opfer sexueller Straftaten) Auch eine Notwehrsituation oder Verhinderungssituation, in der ein Täter getötet wurde, kann über das akute Trauma hinaus zu einer PTBS führen, ebenso die Anwesenheit als Zeuge extremer Ereignisse. Hinweis auf eine PTBS sind vielfach Spätsymptome wie Teilamnesie, Depression, Bindungsstörungen, auffällige Persönlichkeitsveränderungen, Suchtverhalten, aggressive Verhaltensweisen, Selbstverletzung, Suizidgefährdung. Im Einzelnen stellen sich Schlafstörungen, Alpträume und Schlafmeidung, zwanghaftes ständiges Erinnern, Angstzustände ein.
Die Diagnose wird vom Facharzt für Psychiatrie anhand der Häufung und dem anhaltenden Auftreten etlicher Merkmale gestellt. Dabei müssen die Symptome in einem Zeitraum von etwa sechs Monaten nach Stattfinden des Ereignisses aufgetreten sein. Als Grundlagen gelten in groben Zügen genannt: Widererleben, Nachhallerinnerungen, anhaltendes Vermeidungsverhalten, anhaltende erhöhte Erregung, Beeinträchtigungen in sozialen Funktionsbereichen, der Persönlichkeit.
Behandlung und Umgang mit der Posttraumatischen Belastungsstörung
Im Falle von Natur- und technischen Katastrophen oder Kriegsereignissen kann vielfach nicht umgehend eine psychologische Unterstützung angeboten werden. Bei traumatischen Ereignissen durch Unfälle, Verbrechen, Teilhaftigkeit als Zeuge solcher Vorkommen und mehr, sollte eine sofortige psychologische Betreuung angestrebt werden. Wenn der Betroffene selbst dies ablehnt, sollten Menschen im engen sozialen Umfeld darauf achten ob Symptome einer PTBS, wie oben genannt, wahrzunehmen sind. Angehörige, Freunde, Kollegen können dann zu einer fachlichen Hilfe raten. Betroffene selbst können aktiv werden, indem sie Möglichkeiten finden, über die Ereignisse zu reden.
Auch viel körperliche Bewegung kann einer Besserung nach einem durchlebten Trauma zuträglich sein. Neben der psychologischen Beratung, Behandlung und Betreuung, kann auch der Kontakt zu Personen seelsorgerischer Dienste hilfreich sein. Letzteres ist insbesondere dann sehr hilfreich, wenn der Betroffene religiös gebunden ist, beziehungsweise vor dem Ereignis eine religiöse Hinwendung ausgeübt hat.
Für die Behandlung einer Posttraumatischen Störung wird meist eine entsprechende Psychotherapie angeordnet, vielfach die Unterstützung durch medikamentöse Behandlung, in schweren Fällen eine stationäre Aufnahme. Anhaltende Störungen posttraumatischer Art können, wenn ihnen nicht begegnet wird, zu weiteren psychischen Erkrankungen führen. Bekannt ist, dass auffällig viele Borderliner an nicht verarbeiteten Extremerfahrungen in der Kindheit leiden. Hat sich eine PTBS über längere Zeiträume manifestiert, kann sie über Jahre hinweg, teils lebenslang, den Menschen nachhaltig beeinträchtigen und seine Gesundheit gefährden.
Artikel wurde zuletzt geaendert am: 03.02.2012; 22:55:29 Uhr