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Die Kurarchitektur hat eine lange Geschichte

Kurhäuser erleben Die ersten bekannten und somit ältesten Kurstädte gehen im deutschsprachigen Raum auf fast 2000 Jahre Geschichte zurück. Etwa zur gleichen Zeit entstanden an der damaligen Ostgrenze des römischen Reiches Orte wie Baden-Baden, Wiesbaden, Baden im Argau und Badenweiler. Auch nördlich der Alpen wurden Kurstädte wie Baden bei Wien gegründet. Die Entwicklung dieser Orte ist gekennzeichnet durch das Kurwesen in der alten Antike. Auch der Niedergang im Mittelalter und das erneute Aufblühen im Spätmittelalter sind charakteristisch für die Kurarchitektur und wie sie sich entwickelt hat. Schon in der Antike war das Kur- und Badewesen von gesellschaftlicher Bedeutung.

 

In vielen Orten und in fast jedem Kastell gab es nunmehr Thermen mit unterschiedlichen Ausmaßen. Der Bautypus der Kaiserthermen bot bis zu 3000 Badegästen angenehme Abwechslung und Erholung. Die zentralgelegenen Schwimmhallen wurden mit Süßwasser betrieben und waren von Nebenräumen umgeben. Die Thermalbäder der Antike waren etwas ganz besonderes, denn sie passten sich der Umgebung des Quellgebietes an. Noch heute als die bedeutendste Kurstadt dieser Zeit ist Bajae im Golf von Neapel bekannt. Im deutschen Mittelalter wurde es etwas ruhiger um das Kur- und Badewesen. Erst im 12. Jahrhundert entstand durch das Bürgertum eine neue Badetradition und öffentliche Bäder entstanden. Die spätmittelalterlichen Badehäuser erreichten keine eigene Architekturgattung. Die Thermalbäder waren in Gebäuden integriert, die sich von normalen Wohnhäusern nicht unterschieden.

 

Die Kurarchitektur spiegelt sich in einstigen Residenzen wieder

Vom 12. bis 17 Jahrhundert war Baden-Baden die Residenzstadt der Markgrafen von Baden. Auch andere Kurorte wie Wiesbaden und Aachen wurden zu Residenzen von Fürstenfamilien. Die Landesherren genossen den Luxus der heißen Quellen, die sie natürlich auch gewinnbringend und gut vermarkten konnten. Während dieser Zeit entstanden viele herrliche Bauten in herrschaftlicher Architektur. Die Pfalzkapelle Karl des Großen in Aachen und das Alte und das Neue Schloss in Baden-Baden  sind die wohl schönsten Gebäude. In der Zeit des Barock kam die Trinkkur in große Mode. Kurorte, die mit dieser Entwicklung nicht mithalten konnten, sanken zu Armen- und Bauernbäder herab. Mit Beginn des 18.Jahrhunderts wurden neue Tendenzen in der Kurarchitektur sichtbar. Fürstenbäder wie Brückenau und Pyrmont entstanden. Brückenau wurde außerhalb der Stadt zu einem Fürstenbad ausgebaut und ein Kurhaus errichtet.

Von Pavillons gerahmt entstand das schlossartige Gebäude, dessen Vorbild das Lustschloss Ludwigs XIV war. Doch nicht die Fürstenbäder waren die bedeutendsten Kurstädte des 18. Jahrhunderts, sondern Aachen und Bath in England. Bis heute ist Bath der einzige Kurort, der zum Weltkulturerbe zählt. Die „Neue Redoute" wurde in der Zeit von 1782-1786 als dreigeschossiges Kurhaus vom Architekten Jakob Couven gebaut und gilt für lange Zeit als Vorbild späterer Kurhäuser. Mit dem 19.Jahrhundert entwickelten sich die Kurstädte zum internationalen Treffpunkt verschiedener Gesellschaftsgruppen. Für die Industrialisierung war in den Kurstädten kein Platz.

 

Die einzigartige Kurarchitektur

Erst ab etwa 1870 wurde in den deutschen Städten mit Thermalbädern und der lockere Bebauung von Grünflächen begonnen. Die herrlich angelegten Kurparks, die wie die englischen Gärten angelegt waren,  und die einzigartige Architektur der Kurgebäude bildeten eine harmonische Einheit. Auch in therapeutische Einrichtungen wurde viel investiert. Das Graf-Eberhards-Bad in Wildbach wurde zu einem Bauwerk mit Vorbildfunktion. Aber auch viele Gesellschaftsbauten wie Gasthäuser und Herbergen wurden von Hotels, die zu Orten der Begegnung wurden, abgelöst. Die öffentlichen Bauaufgaben in den Kurstädten standen vor einer neuen Herausforderung. Die Haupttypen der Kurarchitektur waren Thermalbäder, Trinkhallen und Kurhäuser.

 

Als Nebentypen entstanden Museen, Theater, Aussichtstürme und Bergbahnen. Durch die verschiedenen Bauwerke wurde jede Kurstadt zu einem baulichen Gesamtkunstwerk. Im 19.Jahrhundert war das Kurhaus nur für gesellschaftliche Anlässe vorgesehen. Das Kurhaus in Baden-Baden ist heute das älteste, gut erhaltene Gebäude seines Bautyps. Viele der erhaltenen Kurhäuser vergangener Jahrhunderte wurden leider in den Kriegen zerstört oder nach Kriegsende abgerissen und einfach nicht wieder aufgebaut. Die klassische Kurarchitektur löste sich auf. Neue, architektonisch moderne Thermalbäder wie in Wildbach entstanden, die in ihrer Architektur einmalig sind und unter Berücksichtigung medizinischer Aspekte nicht mehr mit der Kurarchitektur früherer Jahrhunderte vergleichbar sind. Nur wenige erhaltene Kurbäder versprühen noch den Charme vergangener Zeiten.

 

 

Heilpraktiker Felix Teske

© sonne fleckl - Fotolia.com




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Artikel wurde zuletzt geaendert am:  04.10.2011; 13:27:31 Uhr



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