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Kneipptherapie - Wasser als Heilquelle

Kneipp Kuren In der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts entwickelte ein Pfarrer namens Sebastian Kneipp eine damals neuartige Methode der Gesundheitsvorsorge und Behandlung von Krankheiten, dass er an sich selbst testete und sein Lungenleiden damit behandelte. Der Ansatz ist ganzheitlich zu sehen, weil in dem Konzept nicht nur der gesamte Körper, sondern auch die Psyche berücksichtigt wird.  Die Therapie wurde nach ihrem Entwickler benannt und ist heute allseits bekannt unter dem Begriff Kneipp-Therapi e oder Kneipp'sche Wasserkur. Nach Entwurf von Pfarrer Kneipp baut sich die Therapie auf fünf Säulen auf.

 

Die fünf Säulen der Kneipp-Therapie


Das Behandlungskonzeptstützt  sich auf die "fünf Säulen" Wasseranwendungen, Phytotherapie, Bewegungs-, Ernährungs- und Ordnungstherapie. Die Wasseranwendungen umfassen neben Waschungen mit lauwarmem oder kaltem Wasser auch Teil- und Vollbäder, Dampfbäder und Inhalationen gehören ebenso dazu wie Massagen mit einem Wasserstrahl. Etwas anstrengender und belastender für den Körper sind die Wechselduschen, der Blitzguss und das Überwärmungsbad. Wichtig bei allen Wasseranwendungen ist die Vorgehensweise. So sollten sie immer von den Extremitäten in Richtung Herz durchgeführt werden, dem venösen Kreislauf entsprechend und kalte Güsse nicht mit vollem Magen angewandt werden, da das den Kreislauf zu sehr belastet.

 

Die Haut wird nach Güssen oder Teilbädern nicht abgetrocknet. Zur den Wasseranwendungen zählen auch feuchte Wickel. Bei der Phytotherapie werden pflanzliche Heilmittel angewandt. Sie finden ihre Anwendung als Zusätze zu Umschlägen, Bädern, Inhalationen und Dampfbädern, sowie als Einreibungen in Salben und Ölen. Oral werden sie als Tees getrunken und in Form von Säften oder Dragees eingenommen. Eine weitere Säule ist die Bewegungstherapie. Hierzu wird neben ausgedehnten Spaziergängen auch Radfahren, Waldlauf und Gymnastik empfohlen. Letzteres wird bevorzugt in Verbindung mit den Wasseranwendungen durchgeführt, auch bekannt als Wassergymnastik. In Bereich der Ernährungstherapie handelte Kneipp schon damals nach den heutigen Erkenntnissen einer gesunden und ausgewogenen Ernährung.

 

Wichtig ist hier, dass der Kalorienbedarf gedeckt ist und dass alle Nährstoffe in optimaler Menge und gutem Verhältnis zugeführt werden. Die letzte Säule bezieht sich auf das seelische Gleichgewicht. Der Patient soll seinen Tagesablauf nach der inneren Uhr ausrichten und im Sinne der Psychohygiene den eigene Standpunkt überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Die Kneipptherapie dient der  allgemeinen Gesunderhaltung und Abhärtung. Die Maßnahmen werden auch in der  Rehabilitation nach akuten Krankheiten, Operationen und Unfällen eingesetzt. Kneipp'sche Anwendungen finden ihren Einsatz bei Durchblutungsstörungen, Herz- und Kreislaufkrankheiten und Verdauungsproblemen sowie bei Entzündungen, Fieber und Schmerzen. Gelenkerkrankungen finden Besserung durch die Unterwassergymnastik.

 

Risiken und Kontraindikationen der Kneipp-Therapie

Vor jeder Kneipp-Therapie muss eine ausführliche ärztliche Untersuchung stattfinden und eine Anamnese, also die Erhebung einer Krankengeschichte durchgeführt werden. Bei der  Phytotherapie kann es zu allergischen Reaktionen unterschiedlicher Stärke kommen. Bei Patienten mit Disposition ist hier Vorsicht geboten. Bei Menschen mit gestörtem Temperaturempfinden ist bei Anwendung von Eisbeuteln Sorge zu tragen, dass keine lokalen Unterkühlungen ausgelöste werden. Der Wirkstoff von Johanniskraut kann die Wirkung von Antikonzeptiva  und Antidepressiva mit den Wirkstoffen Amitriptylin und Nortriptylin abschwächen. In diesen Fällen ist die Gabe von Johanniskrautpräparaten kontraindiziert.

 

 

Da die Kneippanwendungen, vor allem die Wasseranwendungen und die Bewegungstherapie Auswirkungen auf die Atmung und das Herz-Kreislaufsystem haben, sollte eine Selbstanwendung nur nach ausführlicher Einweisung stattfinden. Bei Überwärmungsbädern ist eine ständige Kreislaufkontrolle und ärztliche Aufsicht angezeigt. Bei schwerer Hirnleistungsschwäche, schwerer Herzkrankheit, Funktionsstörung und Entzündung von Leber oder Nieren, ansteckenden Krankheiten, offener Tuberkulose, akut entzündlichen rheumatischen Erkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, schwerer Neurose und psychiatrischer Krankheit wird von einer Kneippkur dringend abgeraten. Ebenso dürfen Kneipparzneibäder bei nässenden, großflächigen Ekzemen und Hautverletzungen, bei schweren fieberhaften und infektiösen Erkrankungen, bei schweren Herzerkrankungen und schwerem Bluthochdruck nicht angewandt werden.

 

Wirkungsnachweise der Kneipp-Therapie

Klinische Studien konnten keine Wirksamkeit der Kneipp'schen Therapi e als Ganzes nachweisen. Bei einzelnen Anwendungen konnten Verbesserungen bestimmter Leiden, zum Beispiel durch regelmäßige Wasseranwendungen bei Venenleiden wie Krampfadern, belegt werden. Das Denkvermögen im Alter kann nachweislich gesteigert werden und die Symptome der Herzinsuffizienz konnten gelindert werden. Auch wenn die Wirksamkeit als Gesamtmethode nicht nachweisbar ist, sind die Risiken bei fachgerechter Anwendung als eher gering zu bezeichnen und somit ist diese Therapie nicht schädlich. Subjektiv steigert die Kneipp-Therapie in den meisten Fällen das Wohlbefinden, aber jeder sollte dies für sich selbst entscheiden.

 

 

Heilpraktiker Felix Teske

© kaschwei - Fotolia.com

 


 



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Artikel wurde zuletzt geaendert am:  12.08.2011; 08:21:55 Uhr



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